Eine Kunstreihe mit neuen Arbeiten von sieben Berliner Künstler*innen, kuratiert von Frauke Havemann und Peter Stamer

Auch in diesem Sommer laden Frauke Havemann und Peter Stamer Kunstschaffende unterschiedlicher Disziplinen und Generationen ein, um für die besondere Architektur des Pavillon am Milchhof neue künstlerische Arbeiten zu entwickeln. Die Berliner Künstler*innen zeigen vom 16. Juli bis 13. August 2022 sieben (Neu-)Produktionen und Uraufführungen, die das Motto der Reihe “Unter dem Pflaster” als Ausgangspunkt ihrer multidisziplinären Arbeiten nehmen.

Beginn immer: 20.30 Uhr
Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei.

Pavillon am Milchhof, Schwedter Straße 232, 10435 Berlin



Samstag, 16. Juli 2022
20.30 Uhr

Du kannst nicht reingucken / Du kannst nicht rausgucken
Eine Mixed-Reality-Installation von doublelucky productions

Du bist zurückgekommen. Alles ist da, direkt vor dir, in diesem Gebäude, aber es entzieht sich. Du trittst einen Schritt zurück, in eine unfertige Landschaft, ein virtuelles Dickicht mannigfaltiger realer und erträumter Objekte, digitaler Bäume, Doppelgänger, Stimmen, über dir Himmel, aber du kannst es nicht erfassen.
„Du kannst nicht reingucken / Du kannst nicht rausgucken“ stellt den Pavillon ins Zentrum einer hybriden Umgebung, die kein Innen und Außen mehr kennt, in der alle Orte und Dinge Geheimnisse tragen.

Von und mit Phillip Hohenwarter, Chris Kondek, Christiane Kühl und Mareike Trillhaas (Musik)

photo by doublelucky productions

Donnerstag, 21. Juli 2022
20.30 Uhr

Luke und Alina und alle 21 Jahre
(Visionen hinter Glas)
von und mit Florian Brossmann, So Fukushima, Thomas Martius, Petra Steuber

2021 haben wir mit einer großen Geschichte einen Live Act im Kino gemacht und dafür im Pavillon trainiert: „1884 wird ein Wal geboren und der Grundstein gelegt für das Berliner Reichstagsgebäude. Die Welt verändert sich rasant. IT-Nerd Angelica aus den USA und Tierschützer Viktor aus Russland begegnen sich 1988 in der DDR. Immer wieder treffen sie aufeinander, bis hinein in ihre Unterwasserstadt im Jahre 2055. Lebt da der Wal noch?“ Und was bleibt uns 2022 davon übrig, wenn die Schauspieler*innen fehlen und der kalte Krieg wieder heiß geworden ist?

Konzept, Text, Video, Sounds, Performance: Thomas Martius
Text, Performance: Petra Steuber
Musik, Live-Musik: So Fukushima
Technische Leitung, 3D-Modelle: Florian Brossmann
Auf Video und als Stimmen: Tania Feurich, Manuel Sánchez Fraguas, Sascia Haj, Jannika Hinz, René Ritterbusch, Ariane Sept, Morin Smolé

Dauer: max. 90 Minuten

Photo by Thomas Martius

Samstag, 23. Juli 2022
20:30
Soft Stone
Eine choreografische Installation von und mit Julia Keren Turbahn und Simone Gisela Weber

Ursprünglich für die Arbeit Hypothetic Bodies (2021) entwickelt, findet das darin verwendete choreographische und filmische Material im Pavillon des Milchhofs eine neue Form. Soft Stone erforscht Körper, Sound und Materialitäten, die in einem Vakuum zwischen Aktion und Stillstand zusammentreffen. In diesem extremen Zustand entwickeln diese Körper einen eigenen, verzerrten Rhythmus, ein Miteinander und eine Zeitlichkeit, die immer eine Form von Potentialität beinhaltet.

Konzept, Choreographie, Performance, Installation: Julia Keren Turbahn, Simone Gisela Weber
Sound: Nikola Pieper
Live Sound und technische Unterstützung: Ernesto Cárcamo Cavazos
Video Edit, Installation: Simone Gisela Weber
Künstlerische Unterstützung Installation, Raum: Hanna Kritten Tangsoo
Künstlerische Unterstützung Installation, Video: Svenja Simone Schulte

Photo by Sebastian Wolf

Donnerstag, 28. Juli 2022
20.30 Uhr

Winding from Before Backward Round
Videoinstallation von Frauke Havemann & Eric Schefter / ON AIR

In ihrer Videoinstallation zerlegen Frauke Havemann und Eric Schefter ein unveröffentlichtes  Filmprojekt auf die vier Innenwände des Pavillons. Die Arbeit ist durch die Texte der Biologin Catherine Adamidi inspiriert, die auf radikal subjektive Weise den Umgang mit ihrer Krebsdiagnose beschreibt. In der fragmentarischen Aneinanderreihung von medizinischen Fakten und Bruchstücken von Adamidis eigener Geschichte wird das Wissenschaftliche poetisch, und das Persönliche kann über sich selbst hinauswachsen.

Konzept & Regie: Frauke Havemann
Kamera & Schnitt: Eric Schefter
Text: Catherine Adamidi, basierend auf ihrer Geschichte ‚The Waddington Effect‘
Musik: Boris Hauf
Voice-Over: Neal Wach
Mit (im Video): Iris Boss, Jack Rath, Annette Klar, Michael Blau, Martin Lehmann, Edda-Marie Pieper, Aabshaar Wakhloo, Doreen Wellnitz

In englischer Sprache

Photo by ON AIR

Samstag, 30. Juli 2022
20.30 Uhr

Gefahr im Anzug
Ein Live-Hörstück von Peter Stamer mit Astrid Endruweit

Die Beschleunigung nimmt durch die Schwerkraft zunächst zu, bevor sie gegen Null abfällt. Daten über den anliegenden Auftrieb oder die Windverhältnisse fehlen jedoch, so dass wir seine Geschwindigkeit nicht zuverlässig vorhersagen können. Das einzig Verlässliche, das wir über den Mann wissen, ist, dass er vor einer Sekunde aus seinem Fenster gefallen ist.
In seinem neuen Hörstück versetzt sich Peter Stamer in den Kopf eines Mannes, der sich in jeder Hinsicht im freien Fall befindet …

Text, Regie, Raum und Musik: Peter Stamer
Es spielen und sprechen: Astrid Endruweit und Peter Stamer
Dauer: ca. 60 Minuten

Illustration by Peter Stamer

Samstag, 6. August 2022
20.30 Uhr

Anatomie IVEin Wasserspiel
von Penelope Wehrli in Zusammenarbeit mit Joa Glasstetter, Lina Gómez, Mariana Romagnani

Von der Fiktion zum tanzenden Körper zum Nebelwesen. Wir hören Geschichten imaginierter Menschenarten, den Homo Sapiens X. Die Tänzerin nimmt deren anatomische Andersart als Feld und sucht mit ihrem Körper nach den Verschiebungen zwischen sich und ihnen. Ihre Bewegungen zeichnen wir mit Sensoren auf und übertragen die Daten auf ein technisches Objekt, auf dem sie als tanzender Sprühnebel sichtbar werden. Eins setzt sich im Andern fort. Verwandlung in Bewegung. Der Wind spielt mit.

Erste Ergebnisse von zwei praktischen Recherchen führen wir versuchsweise zusammen.

Konzept, Geschichten, Seismo-Spiel: Penelope Wehrli
Choreografie: Lina Gómez
Co-Choreografie, Tanz: Mariana Romagnani

Stimme: Rickie Edens
Mediensteuerung, Seismo-Korpus: Joa Glassstetter
Licht: Emma Juliard

Recherchen gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR


Samstag, 13. August 2022
20.30 Uhr

looming falls eve(s)
Ein Webwerk von Ilya Noé in Zusammenarbeit mit Onome Ekeh und Pamela Slass

On August 13, 2022 it will be 676 days since my mom’s death and 675 that she hasn’t had a funeral. It will also be 30 months to the day since I fell seriously ill and out of sight, the 501 year anniversary of the fall of Tenochtitlán, 530 years 13 days since the deadline set for Jews to leave Castile and Aragon or die, and the day I will make a first go at sharing my hauntings since I broke the promise that I would never, ever build a family tree, take a DNA test or become my mother. An attempt which is slowly taking the form of a ghost(s) story(ing)  / a collection of text(ile)s / a bracketed ritual of repair / an act of despair / an atheist prayer / an erratic studio visit / an intro to weaving / the end (or beginning) of a belated shiva / a (fill in the blank)… Definitely not a body of work. More like a hand. Or two. 

“…[woolgathering “falls” and “the fallen”,
warp and wefting them with spit, scars, and old tales; 
shuttling a body of sticks and yarn tangles; 
is a rise what’ll come down; 
a crack at repair?

climbing my tree to get grounded
(re)bodying myself of/with my dead
an oration turned rebozo slash tallit
tugging at the threads of the grain…

a first pass at (re)dressing the wound(ed),
the ravished, 
the banished, 
the vanished from view,
while (un)tangling the maps and the pathways
of a wandering Amerind slash wondering Jew…]…”

Konzept, Text, Darstellung, Regie: Ilya Noé
Szenografische Mitarbeit und konzeptionelle Begleitung: Pamela Slass
Dramaturgische Mitarbeit: Onome Ekeh
Gestalten: Mei Bao und Maria Elena Mela Seidenari

In englischer Sprache

Photo by Oliver Staadt

Unter dem Pflaster wird gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.